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CONCERT REVIEWS
David Sanchez
english language the following reviews are in English:
San Francisco Examiner
November 10,1998
Deutsch Die folgenden Kritiken sind auf Deutsch:
Abendzeitung München 
24. September 1996
Der Tagesspiegel, Berlin
11. 07. 1998
Berliner Zeitung
11./12. 07. 1998
Berliner Morgenpost
11.7.1998

San Francisco Examiner Tuesday, November 10,1998
SANCHEZ BRINGS JOYOUS END TO S.F. JAZZ FESTIVAL
Spirited Latin music draws the crowd to its feet

During the finale of his Sunday night "Masterworks of Latin Music" concert at the Herbst Theatre, the delightfully spirited David Sanchez, while blowing exotic tenor sax licks over the throbbing, syncopated rhythms of his band, somehow also conducted a shout-along, clap-along
that had the audience, which was already standing enthusiastically, joining in the musical merriment. It was a wonderful way to bring down the curtain on the 16th annual San Francisco Jazz Festival, an event notable for grand Latin-jazz performances that were well attended by the most supportive of audiences. [...]
Since 1992, Sanchez's whirlwind career has evolved into a tornado. He has combined his remarkable, inspired, saxophone talent - both on soprano and tenor - with his devotion to all manner of Latin music. As demostrated Sunday, the results of Sanchez's enthusiasm are memorable performances emphasizing the artistic freedom of jazz expression as well as the rhythms and beatuy of the Latin American music idiom. [...]
Sanchez's name as a performer is synonymous with spirit. That spirit manifests itself in complex solos that seem to flow as easily from his saxes as grins come to his face. He tips his hand as a leader by the way he begins most selections with his backup quartet, which, in Latin music, implies rhythm section. After bassist Hans Glawischnig (great name for a Latin bandsman!) and jazz drummer Adam Cruz get the beat going, Pernell Saturnino adds percussion embroidery around the syncopated beat and pianist Edsel Gomez lays down some chords and, later, improvisations. Then, Sanchez enters the ring adding melodious lines and jazz creations. He's studied, and retained, the style of his predecessors going back to Coleman Hawkins, Sidney Bechet, Stan Getz, John Coltrane and others. He seems able to put all his musical imagination and his delightful personality into his performance. [...]
Sanchez had turned the festival into a fiesta. (Philip Elwood)

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Abendzeitung München 24. September 1996
KARIBISCHER WIRBELSTURM
Das David Sanchez Quintet mit Latin und Jazz in der Unterfahrt

Es pocht, klopft, prasselt, rasselt, pulsiert ohne Unterlaß. Da wird der Baß schon mal zweckentfremdet, und dem Flügel geht es an die Eingeweide - jedes Instrument mutiert im David Sanchez Quintet kurzzeitig zur Percussion. Für drei Stunden sagte das triste, naßkalte Novemberwetter ade, weil fünf Puertorikaner für karibische Witterung sorgten (Unterfahrt).
Wenn David Sanchez am Tenorsaxophon mal ganz entrückt eine Ballade hinhaucht, finden sich die Zuhörer im Auge des Hurrikans wieder, eines tropischen Sturms, der sonst an diesem Abend alles aufwirbelt, alles mitreißt: Holz, Metall, Rhythmen, Melodien und letztendlich auch das Publikum, das, bleiben wir bei diesem Bild, jeden Windstoß stürmisch applaudiert. Der Tornado fegt durch die Jazzgeschichte, wütet im Grenzbereich zwischen Latin und Jazz. Dieser Twister, den David Sanchez, sowie Edsel Gomez (Piano), John Benitez (Baß), Adam Cruz (Schlagzeug) und Richie Flores (Percussion) da entfacht haben, unterscheidet sich von Windmachern in der Natur nur
dadurch, daß hier jede Böe konstruktiv ist. Die Windstärke aber ist bei beiden etwa gleich. (Ssirus W. Pakzad)

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Der Tagesspiegel, Berlin 11.07.98
Leidenschaftliches Trommelfeuer
"Er weiß, woher er kommt":
der Saxophonist David Sanchez im Quasimodo

Schon zu Beginn, als alle vier Kongas vor der hühnenhaften Gestalt des Perkussionisten wie Kegel auf die Bühne rollten, war klar, welche Kraft dieses Konzert vorantreiben würde; unerbittlicher Rhythmus. David Sanchez hatte, neben Flügel und Kontrabaß, schweres Geschütz aufgefahren. Noch ein Schlagzeuger, vorsorglich mit Stöpseln in den Ohren, verlängerte die bauchige Wand aus Congas und Timbales. Auch Sanchez, eigentlich Saxophonist, griff immer wieder zu Trommelstock und Doppelglocken. Immerhin hatte er, noch in Puerto Rico, Conga gespielt, lange bevor er mit 12 Jahren zu seinem heutigen Instrument wechselte. Als er 1988, zwanzigjährig, nach New York kam, bließ er sein Saxophon bereits so ausgereift, daß ihn Eddie Palmieri und Giovanni Hidalgo begeistert mit auf Tour nahmen. Zwei Jahre später entdeckte ihn Dizzy Gillespie, holte ihn als jüngstes Mitglied in sein United Nation Orchestra. "Er weiß, wohin er geht und wo er herkommt", lautete Dizzys Diktum. Vielleicht aber hat vor allem die Erfahrung in Roy Hargroves Afro-Cuban-Projekt Sanchez dazu bewogen, selber wieder sein Herkunftsland aufzusuchen. So ist Puerto Rico mit seinen vertrackten Plenas und butterweichen Balladen derzeit das Thema des Musikers. "Obsesión" heißt der Titel seines Neuen Albums. Im Quasimodo verzichtete er auf das orchestrale Gewand der Studio-Arrangements und erschien, das war besser, mit dem harten Kern. Live nutzt das Quintett jede erdenkliche Möglichkeit zur Improvisation, zum Ulk, zu hitzigen Dialogen. Noch einmal sollte eine Conga umkippen. Teil der Show, ansonsten hielt die perkussive Schwerkraft der Band sogar die Leichtigkeit brasilianischer Kompositionen dicht am Boden. Und Sanchez brachte sein Sopran- und Tenorsax so präzise wie leidenschaftlich durch das Trommelfeuer. (Roman Rhode)

 

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Berliner Zeitung 11/12. Juli 1998
Brennende Herzen

David Sanchez läutet eine neue Ära des Latin-Jazz ein. Post-Bop ist in diese Band wie ein Blitz eingeschlagen. Die ewigen Sicherheitsregeln des Salsa gelten hier ebensowenig wie die Bequemlichkeiten des Mainstream-Jazz. Kompaß in dieser Band ist die Trommel; der Groove die Richtung, in der die Nadel heftig ausschlägt. Berauschend, was David Sanchez am Donnerstag abend bei "Jazz in July" in seinem Rhythmuskessel zu einem hitzigen Gebräu vereinte.

Sein Blick über die akribischen und lateinamerikanischen Stile ist enzyklopädisch erweitert. Weit schaut Sanchez über seinen puertorikanischen Horizont. Der Tenorsaxophonist eint Stile in einer mitreißenden Jazzsprache, die sich mit den Größten seines Instrumentes messen kann. Robust ist sein Sound. Die Melodien vibrieren in weichen Legatobögen vor rhythmischer Spannung. Den ganzen Tonraum seines Saxophons durchmißt Sanchez in langen, doch straff gespannten Melodie-Girlanden.

Alles kann hier immer passieren: War das nicht gerade noch eine flauschige Ballade? Und wie sind wir so rasend schnell von dort in dieses Fegefeuer einer Perkussionsorgie gekommen?

Der aus Mexiko stammende Drummer Antonio Sanchez schlägt mit der größten Leichtigkeit mit Händen und Füßen drei Clave-Rhythmen gleichzeitig; boxt in gewitternden Attacken gegen ein von der Gruppe gehaltenes Ostinato an. Und stürmt im Crescendo seiner Rhythmen einen Intensitätsgipfel nach dem anderen.

Mit irrlichternder Brillanz meißelt Edsel Gomez seine Latin-Melodik ins Klavier. Wenn seine rasenden Oktav-Passagen urplötzlich entgleisen und sich in Free-Jazz-Raserei entladen, dann nicht aus innovativem Kalkül, sondern aus purer Latin Leidenschaft. Doch genauso schnell wie diese Band in das entfesselte perkussive Spielt wechselt, genauso schnell kann sie die Dynamik zurückfahren und in ein gespanntes, balladeskes Knistern zurückfallen.

Befreit vom Fluch des walking-Spiels (dem Spiel in gleichmäßig schreitenden Viertelnoten) tanzt Bassist John Benitez hinreißende Bolero-Figuren; seine Ostinati kreiseln die Band in Trance. Dazu klingelt Pernell Saturnino geheimnisvollen Botschaften aus dem Metall einer landwirtschaftlichen Hacke. Der Perkussionist verführt seine Band zu einer brasilianischen Samba-Batucada (mit stark venezolanischem Akzent) und fegt so behende leicht über seine betont melodisch gestimmten Congas, daß ihm im Rausch der Kreuzrhythmen schon mal eine Trommel zur Seite fliegt.

Welche Macht der Welt kann diese Band stoppen? Die Luft im Quasimodo brannte. Und unsere Herzen - heimliche, wilde Latin-Herzen - brannten mit. (Günther Huesmann)

 

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Berliner Morgenpost - 11.7.1998
Rhythmische Gewitter aus der heißen Karibik
Diesmal mit Band: David Sanchez im Quasimodo

Bereits der Bühnenaufbau der Instrumente im "Quasimodo" anläßlich des "Jazz in July"-Konzertes von David Sanchez ließ einiges erahnen: Rund die Hälfte des Podiums war mit zwei Rhythmus-Sets belegt. Tatsächlich entpuppte sich der Auftritt des knapp 30 jährigen Tenorsaxophonisten aus Puerto Rico als ein perkussives Feuerwerk ohne Ende. Alles an diesem Konzert überzeugte durch die direkte Verbindung zur karibischen Musiktradition. Wobei Sanchez allerdings nich in althergebrachten Kategorien denkt: Die Stücke seines Repertoires stammten allesamt aus der Feder von Latino-Komponisten, allen voran der Brasilianer Antonio Carlos Jobim und der Puertoricaner Rafael Hernandez.

Ein Trommelduell zwischen Antonio Sanchez, dem schlanken mexikanischen Schlagzeuger, und Pernell Saturnino, einem schwergewichtigen Perkussionisten aus Curacao, wies bereits den Weg, wohin die musikalische Reise gehen könnte. Edsel Gomez (Piano) und John Benitez (Baß), beide aus Puerto Rico, fügten sich nahtlos ins rhythmische Gewitter ein. Mit einer Konsequent ohnegleichen hielt David Sanchez die einmal eingeschlagene Richtung durch.

Auffällig das Profil des Quintetts, das zwar die afro-kubanische Linie nicht verleugnet, aber den eigenständingen Kurs klar herausstellte. Vor allem David Sanchez wurde seinem Ruf gerecht, daß er keinesfalls als Neo-Klassiker einzustufen ist. Der gewaltige Ton und nimmermüde Drive erinnerte zwar an Saxophon-Stilisten wie Coleman Hawkins, Ben Webster, Sonny Rollong und John Coltrane, aber das war dann auch schon alles. Fazit dieses Berlin-Auftritts: David Sanchez zählt zu den hoffnungsvollsten Tenorsaxophonisten der 90er Jahre. (quan)

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