|
|
|||||||||||||
| CONCERT REVIEWS | |||||||||||||
| David Sanchez | |||||||||||||
|
San Francisco Examiner November 10,1998 |
|||||||||||||
|
Abendzeitung München 24. September 1996 |
Der Tagesspiegel, Berlin 11. 07. 1998 |
Berliner Zeitung 11./12. 07. 1998 |
Berliner Morgenpost 11.7.1998 |
||||||||||
|
San Francisco Examiner
Tuesday, November 10,1998 Abendzeitung München
24. September 1996 Es pocht, klopft, prasselt, rasselt,
pulsiert ohne Unterlaß. Da wird der Baß schon mal zweckentfremdet, und dem Flügel geht
es an die Eingeweide - jedes Instrument mutiert im David Sanchez Quintet kurzzeitig zur
Percussion. Für drei Stunden sagte das triste, naßkalte Novemberwetter ade, weil fünf
Puertorikaner für karibische Witterung sorgten (Unterfahrt). Der Tagesspiegel,
Berlin 11.07.98 Schon zu Beginn, als alle vier Kongas vor der hühnenhaften Gestalt des Perkussionisten wie Kegel auf die Bühne rollten, war klar, welche Kraft dieses Konzert vorantreiben würde; unerbittlicher Rhythmus. David Sanchez hatte, neben Flügel und Kontrabaß, schweres Geschütz aufgefahren. Noch ein Schlagzeuger, vorsorglich mit Stöpseln in den Ohren, verlängerte die bauchige Wand aus Congas und Timbales. Auch Sanchez, eigentlich Saxophonist, griff immer wieder zu Trommelstock und Doppelglocken. Immerhin hatte er, noch in Puerto Rico, Conga gespielt, lange bevor er mit 12 Jahren zu seinem heutigen Instrument wechselte. Als er 1988, zwanzigjährig, nach New York kam, bließ er sein Saxophon bereits so ausgereift, daß ihn Eddie Palmieri und Giovanni Hidalgo begeistert mit auf Tour nahmen. Zwei Jahre später entdeckte ihn Dizzy Gillespie, holte ihn als jüngstes Mitglied in sein United Nation Orchestra. "Er weiß, wohin er geht und wo er herkommt", lautete Dizzys Diktum. Vielleicht aber hat vor allem die Erfahrung in Roy Hargroves Afro-Cuban-Projekt Sanchez dazu bewogen, selber wieder sein Herkunftsland aufzusuchen. So ist Puerto Rico mit seinen vertrackten Plenas und butterweichen Balladen derzeit das Thema des Musikers. "Obsesión" heißt der Titel seines Neuen Albums. Im Quasimodo verzichtete er auf das orchestrale Gewand der Studio-Arrangements und erschien, das war besser, mit dem harten Kern. Live nutzt das Quintett jede erdenkliche Möglichkeit zur Improvisation, zum Ulk, zu hitzigen Dialogen. Noch einmal sollte eine Conga umkippen. Teil der Show, ansonsten hielt die perkussive Schwerkraft der Band sogar die Leichtigkeit brasilianischer Kompositionen dicht am Boden. Und Sanchez brachte sein Sopran- und Tenorsax so präzise wie leidenschaftlich durch das Trommelfeuer. (Roman Rhode)
Berliner Zeitung
11/12. Juli 1998 David Sanchez läutet eine neue Ära des Latin-Jazz ein. Post-Bop ist in diese Band wie ein Blitz eingeschlagen. Die ewigen Sicherheitsregeln des Salsa gelten hier ebensowenig wie die Bequemlichkeiten des Mainstream-Jazz. Kompaß in dieser Band ist die Trommel; der Groove die Richtung, in der die Nadel heftig ausschlägt. Berauschend, was David Sanchez am Donnerstag abend bei "Jazz in July" in seinem Rhythmuskessel zu einem hitzigen Gebräu vereinte. Sein Blick über die akribischen und lateinamerikanischen Stile ist enzyklopädisch erweitert. Weit schaut Sanchez über seinen puertorikanischen Horizont. Der Tenorsaxophonist eint Stile in einer mitreißenden Jazzsprache, die sich mit den Größten seines Instrumentes messen kann. Robust ist sein Sound. Die Melodien vibrieren in weichen Legatobögen vor rhythmischer Spannung. Den ganzen Tonraum seines Saxophons durchmißt Sanchez in langen, doch straff gespannten Melodie-Girlanden. Alles kann hier immer passieren: War das nicht gerade noch eine flauschige Ballade? Und wie sind wir so rasend schnell von dort in dieses Fegefeuer einer Perkussionsorgie gekommen? Der aus Mexiko stammende Drummer Antonio Sanchez schlägt mit der größten Leichtigkeit mit Händen und Füßen drei Clave-Rhythmen gleichzeitig; boxt in gewitternden Attacken gegen ein von der Gruppe gehaltenes Ostinato an. Und stürmt im Crescendo seiner Rhythmen einen Intensitätsgipfel nach dem anderen. Mit irrlichternder Brillanz meißelt Edsel Gomez seine Latin-Melodik ins Klavier. Wenn seine rasenden Oktav-Passagen urplötzlich entgleisen und sich in Free-Jazz-Raserei entladen, dann nicht aus innovativem Kalkül, sondern aus purer Latin Leidenschaft. Doch genauso schnell wie diese Band in das entfesselte perkussive Spielt wechselt, genauso schnell kann sie die Dynamik zurückfahren und in ein gespanntes, balladeskes Knistern zurückfallen. Befreit vom Fluch des walking-Spiels (dem Spiel in gleichmäßig schreitenden Viertelnoten) tanzt Bassist John Benitez hinreißende Bolero-Figuren; seine Ostinati kreiseln die Band in Trance. Dazu klingelt Pernell Saturnino geheimnisvollen Botschaften aus dem Metall einer landwirtschaftlichen Hacke. Der Perkussionist verführt seine Band zu einer brasilianischen Samba-Batucada (mit stark venezolanischem Akzent) und fegt so behende leicht über seine betont melodisch gestimmten Congas, daß ihm im Rausch der Kreuzrhythmen schon mal eine Trommel zur Seite fliegt. Welche Macht der Welt kann diese Band stoppen? Die Luft im Quasimodo brannte. Und unsere Herzen - heimliche, wilde Latin-Herzen - brannten mit. (Günther Huesmann)
Berliner Morgenpost -
11.7.1998 Bereits der Bühnenaufbau der Instrumente im "Quasimodo" anläßlich des "Jazz in July"-Konzertes von David Sanchez ließ einiges erahnen: Rund die Hälfte des Podiums war mit zwei Rhythmus-Sets belegt. Tatsächlich entpuppte sich der Auftritt des knapp 30 jährigen Tenorsaxophonisten aus Puerto Rico als ein perkussives Feuerwerk ohne Ende. Alles an diesem Konzert überzeugte durch die direkte Verbindung zur karibischen Musiktradition. Wobei Sanchez allerdings nich in althergebrachten Kategorien denkt: Die Stücke seines Repertoires stammten allesamt aus der Feder von Latino-Komponisten, allen voran der Brasilianer Antonio Carlos Jobim und der Puertoricaner Rafael Hernandez. Ein Trommelduell zwischen Antonio Sanchez, dem schlanken mexikanischen Schlagzeuger, und Pernell Saturnino, einem schwergewichtigen Perkussionisten aus Curacao, wies bereits den Weg, wohin die musikalische Reise gehen könnte. Edsel Gomez (Piano) und John Benitez (Baß), beide aus Puerto Rico, fügten sich nahtlos ins rhythmische Gewitter ein. Mit einer Konsequent ohnegleichen hielt David Sanchez die einmal eingeschlagene Richtung durch. Auffällig das Profil des Quintetts, das zwar die afro-kubanische Linie nicht verleugnet, aber den eigenständingen Kurs klar herausstellte. Vor allem David Sanchez wurde seinem Ruf gerecht, daß er keinesfalls als Neo-Klassiker einzustufen ist. Der gewaltige Ton und nimmermüde Drive erinnerte zwar an Saxophon-Stilisten wie Coleman Hawkins, Ben Webster, Sonny Rollong und John Coltrane, aber das war dann auch schon alles. Fazit dieses Berlin-Auftritts: David Sanchez zählt zu den hoffnungsvollsten Tenorsaxophonisten der 90er Jahre. (quan) |
|||||||||||||