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DON BRADEN
news

Deutsch Die folgenden Kritiken sind auf Deutsch:
Thüringer Allgemeine - 16. Januar 1999
Eisenacher Allgemeine - 16. Januar 1999
Jazzthing - Nr. 22 Februar/März 99
Dresdner Neuste Nachrichten

Thüringer Allgemeine - 16. Januar 1999
Strömender Saxophon-Sound
Jazzarchiv und Jazzkonzert mit Don Braden in Eisenachs Alter Mälzerei

Bevor der Saxophonist Don Braden im Jazzkeller zur Sache kam, gab er eine Etage höher ein Ständchen. Jazzclub-Vorsitzender Reinhard Lorenz führte in Anwesenheit des Eisenacher Oberbürgermeister Sponsoren und Förderern des Industriedenkmals "Alte Mälzerei" das werdende Jazz-Archiv vor. Das 40. Gründungsjahr des Eisenacher Jazzclubs wird auch zum Gründerjahr. Das Archiv, aus den außerordentlichen Beständen von Günter Boas hervorgegangen, will über die Grenzen der Stadt hinaus eine gute Adresse werden. Fortune und die Grundfinanzierung sind dem Unternehmen zu wünschen.

Wenn man den Solisten des Abends als Omen sieht, sollte man keine Bange haben. Braden bestätigte seinen Ruf, ein Tenorsaxophonist mit enormen Potential zu sein. Sein urgewaltig strömender Sound strahlt Soul, Leidenschaftlichkeit und Feeling aus. Eine Ohrenweide sind seine delikaten harmonischen Verknüpfungen und Wandlungen. Unter den Großen des Instruments ist wohl am ehesten Dexter Gordon ein Bezugspunkt. Aber Braden ist unverwechselbar, auch verglichen mit den Altersgenossen, den "young lions" Redman und Carter. Er selbst ist nichts weniger als ein Löwe, dessen vitale Kraftausbrüche man noch meilenweit hören könnte.

Bradens flüssig, manchmal rasend dahinschwebende Läufe und stakkatohaft punktuierte Tonsprünge bewegen sich meist um einen eher engen Kernbereich. Die Emotionalität ist durch planende Rationalität gebändigt. Diese Rafinesse charakterisiert auch die blendenden Arrangements, die Cecil Brooks III (Drums), Richie Goods (Bass) und Xavier Davis (Klavier) hellwach und intensiv, bald mit durchfederndem Swing (Super-Goods), bald mit rhythmischen Bop-Feuerwerk (Super-Brooks) umsetzten. Klassiker klangen ganz neuartig. Eigene Kompositionen, vor allem "The Dust Kicker" bestachen durch Originalität und die Perfektion der kreativen Durchführung. Dabei ließ Braden seinen Mannen Raum zur Entfaltung.

In einer langen Passage des letztgenannten Titels griffen Davis und Goods im Duett nach den Sternen der Schönheit.

Wolfgang Wicht

 

Eisenacher Allgemeine - 16. Januar 1999
Die Sache mit dem Eros
Rising Stars: Das Don Braden Quartet gastierte im Jazzclub

Das Saxophon hat gegenwärtig zweifellos eine andauernde Hochkonjunktur. Es gilt als die ideale Inkarnation des Jazz, nicht nur, weil ihm Eros in doppelter Hinsicht zugeschrieben wird: In der Tat vereint es in vielen Fällen Sinnlichkeit und Erkenntnisdrang auf das Schönste. Besonders aber die offensichtliche Vielfalt der möglichen Ausdrucksformen macht es zu einem Dauerbrenner, der der Gefahr der Übersättigung immer wieder erfolgreich zu begegnen weiß.

Hervorragendes Beispiel: Don Braden. Der 35jährige Tenorist aus Cincinnati, der im Verbund mit Xavier Davis (piano), Richie Goods (bass) und Cecil Brooks (drums) den "Rising Stars Jazz Circuit" 1999 eröffnete, vereinigt in seinem Spiel gleich eine ganze Reihe solcher Möglichkeiten, mit dem Saxophon umzugehen. Und steht insofern vor allem in der Tradition eines Wayne Shorter. Dessen stück "Speak No Evil" war in seiner wohldurchdachten, kompakten Art eines der auffälligsten während des Eisenacher Konzertes am vergangenen Donnerstag. Auffällig wie sonst nur Bradens eigene Kompositionen, "The Dust Kicker" beispielsweise. Erst die locken ihn wirklich aus der Reserve. Hier entwickelt er eine wilde Angriffslust, die ihm an anderer Stelle eher abzugehen scheint. John Coltranes "After The Rain" oder Hank Mobleys "Soul Station" wirkten weitaus kühler, reservierter, ein bißchen zu brav für meinen Geschmack.

In der Summe betrachtet aber kann man sich kaum eine überzeugendere Art vorstellen, jene Sache mit dem Eros in ihrer Gesamtheit jazzmäßig zu begreifen. "In der Ruhe liegt die Kraft", denkt sich Braden dabei wahrscheinlich. Zudem ein großer Melancholiker, kultiviert er so durch den Abend hindurch einen geradezu samtenen Klang und entwickelt sozusagen iltimativ "The Voice Of The Saxophone".

Das gleichnamige Stück von Jimmy Heath gibt einer Braden-CD den Titel, die im Zentrum des Konzertes stand und auf der wir alte Bekannte wiedertreffen: Den Saxophonisten Vincent Herring etwa, der 1995 in der "Alten Mälzerei" gastierte, oder den Pianisten George Colligan, im vergangenen Jahr zweimal mit von der Rising-Star-Partie.

Zum Auftakt des Jahres, in dem der Jazzclub seinen 40. Geburtstag feiert, stimmte eingentlich alles: hochwertige Musik, volles Haus, begeisterte Zuhörer. Könnte ein aufregendes Jahr werden.

Michael Helbing

 

Jazzthing - Nr. 22 Februar/März 99
Don Braden
Corea oder Cosby

Gewerbe und Kunst sind zweierlei, weiß der Tenorsaxophonist Don Braden. sein Geld verdiente er 1996/1997 als musikalischer Leiter der Fernsehshow von Bill Cosby mit "einer Kombination aus Latin und Funk" sowie "einem kleinen Bißchen Jazz." Das sei in Ordnung, meint er. Nur: Das ist nicht die Musik, die er unbedingt mit seinem eigenen Namen verbunden sehen will.

Denn Don Braden ist Jazzmusiker. Was Jazz ist, definiert der am 20. November 1963 geborene Amerikaner so klar und streng wie sein anderthabl Jahre älterer Ex-Bandleader Wynton Marsalis: "Jazz ist Swing, also späng-a-läng, späng-a-läng, späng-a-läng. Das vermischt sich mit anderen Stilen. Mit Latin Music entsteht Latin Jazz, aber das ändert nichts daran, daß Latin Music und Jazz zwei verschiedene Dinge sind. Genauso ist es mit Funk und Jazz oder Rock und Jazz: Wenn man das vermengt, bekommt man Fusion. Der Jazzanteil daran ist der Swing, Harmonik, die Art der Melodien und der Form." Mit solch harschen Äußerungen will Don Braden keinesfalls die Fusion der Genres verurteilen. Ihm geht es nur um klare Begriffe. Keith Jarrett oder Chick Corea, lobt er, seinen "großartige Musiker, die in vielen Stilen bis zur Klassik zu Hause sind" und "hervorragende Jazzplatten" gemacht hätten. Den Musiker seien weitaus komplexer, als das sie sich unter einem der eng gefaßten Begriffe einordnen ließen. Auch was man als "Free Jazz" bezeichnet, gehört für ihn nicht zum Jazz. Das hindert ihn nicht daran, Free-Musiker und ihre "Energie und Offenheit" so hoch zu schätzen, daß er mit Hamiett Bluiett einen "Mesiter im Free-Bereich" in das Oktett aufnahm, mit dem er die Platte "The Voice Of The Saxophone" (RCA/BMG) einspielte. "Ich wollte diese Mischnung aus swingendem Straigh-Ahead und Free, denn free kommt man direkter zu den Gefühlen. Die Kombination ergibt eine Tiefe von Melodie, Harmonik, Rhythmus, Swing und diese Super-Power-Emotion."

Auch sonst zeigt sich Don Braden eigentlich welt-offen. "Ich wuchs mit Pop und Funk auf", sagt er. "Das gehört zu meiner Biographie. Für mich ist es selbstverständlich, daß ich auch Platten wie Grover Washington mache. Aber das will ich nicht mit meinem Namen verbunden sehen. Das geschieht in einer Band. Don Braden steht für reinen Jazz." In dem schwingt neben der Free-Power eine gewaltige Portion des Hardbop der 50er Jahre mit.

Werner Stiefele

 

Dresdner Neuste Nachrichten
Don Braden Quartett im Club "Tonne" sorgte für Ansturm

Ein weiterer Seiteneinsteiger, der den Weg zum Saxophon-Star machen könnte. Nach dem studierten Juristen Joshua Redman nund er studierte Ingenieur Don Braden, dessen Tenorsax-Spiel alles hat, was für den Trip auf dem Grat zwischen konsequentem Neuerertum und schöpferischer Traditionspflege gebraucht wird: Sinn für Themen der modernen Jazztradition, Offenheit für Trends in der Popmusik, Neugier auf das Noch-nicht-Gehörte und ein makelloser, fester Ton.

Von all dem konnten sich die Besucher des "Tonne"-Konzertes innerhalb der "Rising Stars"-Reihe bestens überzeugen. Braden kam mit dem Pianisten Xavier Davis, dem Bassisten Richie Goods und dem witzigen Drummer Cecil Brooks III - eine bestens eingespielte Band, die von Balladen über Souljazz, Boggie Jump bis zum Neobop-Kompositionen alles aus dem Ärmel schüttelte. Das Miteinander von Davis und Braden klappte traumwandlerisch sicher, wobei der Pianist mit sperrigen, rhythmisch vertrackten Begleitakkordem zu Bradens langen melodischen Linien glänzte. Ein Fall für sich war Brooks "der Dritte", der sich vor seiner eigenen Spiellust kaum retten konnte. Energisch zur Sache gehend, wuchtig, manchmal hastig wirkend, tobte sich Brooks aus, ließ es krachen, um dann wieder dezent mit Besen und HiHat zarte Soundflächen zu zaubern. Im Timing perfekt, klangen seine Einsätze nach Stops wie das überraschende Hereinbrechen eines Sommergewitters, wobei gelegentlich der Eindruck entstand, als könne sich Brooks nicht zurückhaltender betätigen.

Solistisch interessant musizierte Dassist Goods. Schnelle, melodisch ausgeprägte Einzelton-Ketten, motivische Schachtelungen, die immer dichter gepackt wurden, kaum einmal ruhige, fließende Tonflächen mit dem Bogen - Goods Baßspiel zeigte sich virtuos, lebendig. Und Braden? Wie Joshua Redman, Javon Jackson und heute Tim Warfield bläst Braden sein Tenorsax makellos, mit festem, stählernen, betörenden Ton, fähig, schnelle Parforce-"Ritte" ebenso grandios zu bewältigen wie langsame, gedanklich komplizierte Balladen. Jimmy Heath's "The Voice of the Saxophone" gehört zu den Glanzpunkten im Programm.

Übrigens: Wer die gleichnamige CD gehört hat, wird sich wundern. Warum müssen zu Aufnahmen häufig viel mehr Instrumentalisten hinzugezogen werden als live zu Konzerten auf der Bühne stehen? Im Vergleich zur "luftigen", frischen, transparenten Musik des "Tonne"-Konzertes wirkt die CD zugespielt, kleinorchestral, fast kastriert. Schade, daß Labels aus der Hoffnung auf bessere Verkäuflichkeit die künstlerisch falsche Schlußfolgerung ziehen und auf bekannte Namen setzten. Don Braden, mach dein eigenes Ding, du brauchst keinen Brecker für deine Scheiben! Neben eigenen Kompositionen bot Braden einen Ausschnitt aus dem Songbuch der Jazzmoderne: "Maiden Voyage" von Herbie Hancock und das fulminante "Soul Station" des unvergessenen Hank Mobley brachten die Leute auf Zack und belohnten alle, die den Jazzclub zum Bersten gefüllt hatten.

M. Bäumel