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to Brad Mehldau
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Brad Mehldau
news
Die folgenden Kritiken sind auf Deutsch:
Neue Züricher Zeitung 18.09.97 - Morgenpost Hamburg 08.09. 97
NEUE ZÜRICHER ZEITUNG - 18.
September 1997
NICHT VON DIESER WELT
Der Jazzpianist Brad Mehldau in der Widder-Bar
Die Improvisationen zu Evergreens wie
"The Way You Look Tonight" oder zu Jazz-Standards wie Coltranes
"Countdown" werden unter seinen Händen zu Meisterwerken: Der junge
amerikanische Pianist Brad Mehldau spielte, unterstützt von dem amerikasnichen
Kontrabassisten Larry Grenadier und dem spanischen Drummer Jorge Rossy, am Dienstag in der
Widder-Bar.
...
Bill Evans. Mit diesem legendären Jazzpianisten wird Mehldau oft verglichen. Zu Unrecht.
Zwar bezieht sich der in Hartford, Conneticut, aufgewachsene, klassisch ausgebildete
Künstler wie jener oft auf westeuropäische Kunstmusik, wobe Evans eher bei Debussy,
Chopin und Ravel, Mehldau mehr bei Bach, Mozart und Skrjabin Inspirationsquellen fand.
Während indess Evans links raffinierteste Akkorde drückte und mit der Rechten darüber
Single-Lines legte, hat sich der jüngere Pianist weitgehend von dieser Tradition gelöst.
Er scheint es zu lieben, die Melodien über beide Hände und über die gesamte Tastatur
wandern zu lassen, und - wenn schon - im Bass ostinate Kontrapunkte zu den gewagten
Modulationen im Diskant zu setzen. Ein- oder Zweistimmigkeit und stete Transparenz
scheinen den jungen Meister mehr zu beschäftigen als fette Akkorde, auf gängige
Blues-Klischees wartet man bei ihm erst recht vergeblich. Dafür fällt eine unglaublich
differenzierte Anschlagkultur und eine für Jazzer ungewöhnliche, fein abgestufte Dynamik
auf.
Brad mehldaus Improvisationen über
kunstvoll gesetzte, emotional oft dramatische Eigenkompositionen, bekannte Evergreens wie
"The Way You Look Tonight", "Young and Foolish", sogar die Schnulze
"Moon River" oder Jazz-Standards wie Coltranes "Countdown" oder
"Monk´s Dream" wurden unter seinen Händen ausnahmslos kleine Meisterwerke.
Obwohl alles improvisiert war, hätte man meinen können, jede Note sei sorgfältig
ausgewählt worden. Man dachte unwillkürlich an die grossen Klassiker und war versucht,
jeder "Interpretation" eine Opuszahl zuzuordnen. Schier unglaublich, welche
unkonventionelle, höchst überraschende melodische, harmonische und rhythmische Wendungen
sich im Hirn dieses genialen Musikers entwickelten. Noch viel weniger nachvollziehbar war,
wie der am Geschehen scheinbar unbeteiligte Pianist mit geschlossenen Augen über
(oder beinahe unter) der Tastatur sass, als ob die Inspiration direkt durch ihn
durchfloss. Nicht von dieser Welt. ...
(Nich Liebmann)
MORGENPOST - HAMBURG 08.
SEPTEMBER 1997
MEHLDAU - EIN ABEND IN MOLL
Keinen strahlenden Young Lion, keinen
alten Bebop-Hasen, sondern eine der erstaunlichsten Stimmen des modernen Jazz wollten die
Leute im Birdland hören. Brad Mehldau bot ihnen, was immer sie wünschen konnten.
Auf der Suche nach dem Vorbild kommt rasch Bill Evans in den Sinn - die gleiche Liebe zum
intimen Trio-Format, zum Klang jeder einzelnen Note. Es sind viele wohlbekannte Themen,
die unter Mehldaus Fingern zerspringen - Cole Porters "It´s Allright With Me",
Jerome Kerns "The Way You Look Tonight", "Moon River" - der Plan aber,
nach dem sie wieder zusammengefügt werden, ist einzigartig. Ein Liederabend in Moll
war´s, voll kluger Ideen. Bewegend, beunruhigend und große Klasse. (Ralf Dorschel) |