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Al
Di Meola
Nürnberger
Nachrichten, 13. Januar 2000 Anfang der sechziger Jahre verbanden Stan Getz und Charlie Byrd den Cool-Jazz mit Bossa Nova: "Jazz Samba" lautete der Plattentitel, der damals für Furore sorgte. Entsprechend könnte man die Musik, die Al Di Meola und Dino Saluzzi spielen, "Jazz Tango" nennen. Damit sind zumindest die beiden Pole markiert, zwischen denen sich die beiden Virtuosen seid nunmehr zehn Jahren bewegen. Im restlos ausverkauften Nürnberger Karstadt-Kulturcafé zeigte das Star-Duo einem begeisterten Publikum, dass Fusion- oder Weltmusik keineswegs abgegriffen klingen muss. Kommt ganz darauf an, was man daraus macht. [ ...] Neben Juan José Mosalini und Luis di Matteo ist Saluzzi die dritte legendäre Größe im Bandoneon-Bunde. Sein Blasebalg bedient die Klaviatur der Gefühle zwischen Melancholie und Lebenslust. Dabei lotet der 65-jährige die Möglichkeiten des Instruments bis an die Grenzen aus: Der Meister lässt sein Bandoneon fauchen und hauchen, singen und klagen, klappert mit den Knöpfen, spielt mit vollem Körpereinsatz und scheint jeden Ton einzeln herauszupressen. Bei Al Di Meolas Saitensprüngen ist Geschwindigkeit keine Hexerei, Effekthascherei kein Tabu. Seitdem er mit Chick Coreas "Return to Forever" Mitte der siebziger Jahre Jazz-Rock-Geschichte geschrieben hat, gilt der 45-jährige Amerikaner mit dem jungenhaften Charme als brillanter Techniker – mit Hang zu übertriebener Selbstdarstellung. Anfang der achtziger Jahre wurde Al Di Meola mit Gitarren-Trio mit John McLaughlin und Paco de Lucia kurzzeitig zum Popstar. Wieder zehn Jahre später entwickelte sich die Zusammenarbeit mit Dino Saluzzi beim "World Sinfonia"-Projekt. Ob mit akustischer oder elektrischer Gitarre, Al Di Meola ist ein überzeugter Grenzgänger, der sich auf seiner Spielweise nicht um Begriffe wie Jazz, Rock, Latin, Flamenco oder Tango schert. Stilmittel dienen dem Improvisationskünstler dazu, seinen eigenen Stil weiter zu entwickeln. Das macht er ganz nach Lust und Laune in den verschiedensten Formationen. Mit Dino Saluzzi verbindet ihn die Liebe zum Tango Nuevo und dessen Erfinder Astor Piazzolla. Gemeinsam pflegen sie das musikalische Erbe, in dem sie es nicht einfach nachspielen, sondern reflektierend wiederbeleben. Bei ihren hochartifiziellen, melodiösen Dialogen sorgen die beiden Weltmeister für Staunen und Spannung – wie zwei Artisten auf dem Hochseil. [ ...] – Steffen Radlmaier |